Monika Helfer
Bevor ich schlafen kann
Deuticke
Erscheinungsjahr: 2010
223 Seiten
Preis: € 18,-
Poetisches Psychogramm: In ihrem neuen Roman erforscht die Vorarlberger Autorin Monika Helfer die Extreme der Liebe.

Nach den eher kindertauglichen Publikationen der vergangenen Jahre folgt nun ein Buch wie ein Ausrufezeichen. Vor mehr als zehn Jahren veröffentlichte Monika Helfer, 62, mit Wenn der Bräutigam kommt ihren letzten Roman, zahlreiche Jugend- und Kinderbücher folgten der Studie über ein intrikates Liebesverhältnis.

Bevor ich schlafen kann, Helfers jüngster Roman, berichtet ebenfalls von amourösen Verstrickungen, von Liebesverlangen und der Sehnsucht nach Urlaubssex, planvoll zwischen Herz-Schmerz-Story und poetischem Psychogramm pendelnd.

Exposition und dramatischer Auftakt fallen hier indes in eins: Bei der Psychiaterin Josefine Josi Bartok, einer Frau, die zwischen Depression und Dynamit aufgespannt war, wird Brustkrebs diagnostiziert, von ihrem Ehemann, der nach Jahren des Zusammenseins seine Homosexualität ausleben möchte, wird sie überdies verlassen. Bevor ich schlafen kann entwirft, absichtsvoll in Nebensächlichkeiten diffundierend, mit Doppelgänger- und Spiegelungsmotiven operierend, die Chronik einer so tiefschwarzen wie tragikomischen, zwischen Wien und Griechenland verorteten Verzweiflung infolge eines schicksalhaften Doppelschlags.

In den Roman sind, nicht immer ganz geglückt, zudem Realien einer tatsächlichen Tragödie eingearbeitet: Paula, die gemeinsame Tochter von Helfer und dem Schriftsteller Michael Köhlmeier, verunglückte 2003 tödlich. Paula, die heimliche Hauptfigur des Buchs, ist auch im Roman die Tochter eines Vorarlberger Schriftstellers namens Köhlmeier, der eine besonders liebe Frau hat. Josi wendet sich in E-Mails an ihre ferne juvenile Freundin: Du gehörst zu unserem Leben. Ich hab Dich lieb.

Wolfgang Paterno