Helena
Burgtheater Wien
Autor: Peter Handke
Regie: Luc Bondy
Premiere: 2010-06-09
Luc Bondy weiß mit dem antiken Stoff der „Helena“ im Burgtheater szenisch wenig anzufangen.

Wenn am Ende zwei riesige Papp-Kometen auf den Boden des Burgtheaters krachen und eine honorige Stimme aus dem Himmel eine eher willkürliche Schlussmoral einläutet, könnte man meinen, die Götter wären Sitcom-Autoren, die sich aus Langeweile mit den Menschen schlechte Witze erlauben. Luc Bondy lässt seine Inszenierung von Euripides? „Helena“ – von Peter Handke aller blumigen Formulierungen entstaubt – extrem trashig enden. Das kommt unvermittelt, dominierte zuvor doch der ungebrochen hohe Ton. Fast monologisch kämpfte sich Birgit Minichmayr als Titelfigur durch abstruse Textmassen, die erklären wollen, von Helena existiere an einem anderen Ort eine Art luftiges Double, allein um ihre Jungfräulichkeit zu retten. Im nächsten Moment wird der vermeintlichen Witwe, die am Nil festsitzt, ihr verstorben geglaubter Mann (Ernst Stötzner) ans Ufer gespült.

Bondy weiß mit dem Stoff sichtlich nicht viel anzufangen, über weite Strecken bleibt der Abend, der nun im Rahmen der Festwochen am Burgtheater Premiere hatte, szenisch blass. Die Regie-Idee, den Chor mit Jungschauspielerinnen zu besetzen, erweist sich wiederum als eher peinliche Altherrenfantasie. Schwung bekommt die ratlos machende Inszenierung erst im letzten Drittel, wenn Johann Adam Oest als Diktator im Idi-Amin-Look forciert auf Komödie setzt und Libgart Schwarz als herrische Greisin alle in die Knie zwingt. Bondys seltsamer Mischung aus Pathos und Ironie fehlt eindeutig die Mitte.

Karin Cerny